Kontrolle über Marktdaten übernehmen: Nutzung und Kosten wirksam steuern
Finanzinstitute erreichen einen strategischen Wendepunkt im Umgang mit Marktdaten. Steigende Kosten, begrenzte Transparenz, zunehmende Lizenzkomplexität und wachsender regulatorischer Druck haben Marktdaten zu einer der am schwierigsten zu kontrollierenden Kostenkategorien der Branche gemacht.
Yanick Mandl
Bei MMG zeigen Reviews bei Banken und Asset Managern immer wieder dieselbe Realität: Unternehmen geben häufig zu viel aus und setzen sich gleichzeitig erheblichen Compliance- und Audit-Risiken aus.
Die wachsende Herausforderung
Die Preismodelle der Anbieter sind immer schwieriger zu benchmarken und vorherzusagen. Gleichzeitig werden Lizenzstrukturen immer granularer und komplexer, insbesondere im Hinblick auf Nutzungsrechte. In Kombination mit dezentralem Einkauf und fragmentierter Nutzung haben viele Unternehmen keinen klaren Überblick mehr darüber:
- wer welche Daten nutzt
- zu welchem Zweck
- über welche Systeme
- und auf Basis welcher vertraglichen Berechtigung
Das Ergebnis ist eine Kombination aus unnötigen Ausgaben und erhöhtem Compliance-Risiko.
Drei Muster, die wir bei Marktdaten-Reviews immer wieder sehen
Wenn MMG einen Marktdaten-Review durchführt, zeigt die Analyse typischerweise dieselben wiederkehrenden Muster. Diese Muster machen sichtbar, wo Kosten versickern, wo Governance-Lücken bestehen und wo Audit-Risiken verborgen sind.
1. Das Phantom-User-Muster
Bloomberg-Arbeitsplätze, Refinitiv-Eikon-Lizenzen und S&P-Capital-IQ-Logins verschwinden selten automatisch. Mitarbeitende verlassen das Unternehmen oder wechseln ihre Rolle, doch Berechtigungen bleiben aktiv, weil der Offboarding-Prozess bei HR endet und nicht im Marktdaten-Inventar. Die Lösung ist kein weiterer einmaliger Bereinigungsprozess. Erforderlich ist ein aktuelles, mit HR-Daten verbundenes Inventar sowie ein klar benannter Verantwortlicher für regelmässige Deaktivierungszyklen.
Fragen Sie sich: Wann wurde Ihr Marktdaten-Inventar zuletzt mit der aktiven Mitarbeitendenliste abgeglichen? Wenn Sie kein Datum nennen können, liegt dieses Muster vor.
2. Das Usage-Trap-Muster
Dieses Muster hat auditrelevante Konsequenzen. Anbieterlizenzen unterscheiden unter anderem zwischen Display-Nutzung, Non-Display-Nutzung und abgeleiteten Daten. Viele Institute verfügen jedoch nicht über die notwendige Transparenz, um tatsächliche Nutzungsmuster sauber zu unterscheiden. Bei Anbieter-Audits wird die Lücke zwischen vertraglich vereinbarter Nutzung und tatsächlicher Nutzung häufig finanziell schmerzhaft.
Fragen Sie sich: Kann Ihr Team eine Nutzungsübersicht erstellen, die nach Display-, Non-Display- und Derived-Data-Nutzung aufgeteilt ist? Falls nicht, könnte der nächste Anbieter-Audit die Lücke nach den Massstäben des Anbieters definieren.
3. Das Parallel-Procurement-Muster
Verschiedene Geschäftseinheiten verhandeln Marktdaten häufig unabhängig voneinander. Trading schliesst eine Anbietervereinbarung ab, Research verhandelt eine andere, und Risk beschafft separat überlappende Datensätze. Für sich genommen erscheint jeder Vertrag gerechtfertigt. In Summe entstehen jedoch doppelte Datensätze, fragmentierte Verlängerungszyklen und unnötige Kosten. Das Kernproblem ist selten mangelnde Beschaffungskompetenz. Es ist das Fehlen zentraler Verantwortung und konsolidierter Transparenz.